Wir befinden uns in einem sehr fiktiven England der 1920er Jahre in der kleinen Stadt Littlehampton. Fiktiv deshalb, weil
Wicked little letters, den ich gestern im englischen Original mit jeder Menge Slang bei meist gut leserlichen, aber viel zu
undifferenziert übersetzten Untertiteln gesehen habe, eine Bevölkerungsstruktur aufweist, die eher für das heutige England
typisch ist.
Edith Swan, die in einem durchaus christlich geprägten Haushalt in Nummer 65 Western Road wohnt, wird seit geraumer Zeit von
mysteriösen, anonymen Briefen geplant, die vor Obszönitäten nur strotzen. Als Urheberin kann nur eine Person in Frage kommen:
Rose Gooding, die Nachbarin aus Nummer 67 Western Road. Sie stammt aus Irland und hat eine entsprechend deftige
Ausdrucksweise. Sozusagen auf Verlangen von Ediths Vater wird die örtliche Polizei eingeschaltet. Aber solcherlei Fälle sind
nichts für den Woman Police Officer Gladys Moss. Es gibt ja auch eine Hierarchie.
Ich weiß nicht, wie Wicked little letters die deutsche Synchronisation überlebt hat. Anhand der Wortwahl wird recht schnell
klar, wer hier der oder die Gebildetste in Littlehampton ist. Allerdings wirft Wicked little letters auch einen Blick hinter
die Kulissen und hinterfragt einiges an der Außendarstellung der Beteiligten, als es darum geht, den mysteriösen
Briefeschreiber dingfest zu machen.
Aufgrund der interessanten Sozialstudien, der liebenswerten Charakter sowie einer wendungsreichen Handlung erhält Wicked
little letters von mir 15 von gezahlten 13 Euro.